Yes. we Cannes !!!
07. Juni 2010
Cannes







Im Oktober 2009 hatten Jörn Dobrindt und ich (Sebastian Stumpe) das Glück bei einer kleinen Produktion mitzuarbeiten. Der Thriller „On Air“ entstand in Zusammenarbeit mit der FH Dortmund. Unter der Regie des ehemaligen WAM Studenten Carsten Vauth und Marco J. Riedl versammelten sich die Schauspieler Markus Knüfken aus Bang Boom Bang, Silke Natho und andere Schauspieler, sowie Synchronsprecher Charles Rettinghaus, die deutsche Stimme von Jean-Claude Van Damme und Robert Downey Jr. und ließen ein kleines, schmutziges Juwel entstehen, das nicht nur für den Shocking Short Award 2010 nominiert ist, sondern auch in Cannes in der Short Film Corner bei den 63.sten internationalen Filmfestspielen uraufgeführt wurde.
Jörn und ich hatten die große Ehre nach Cannes zu fahren, um den Film zu promoten.
Unser Weg führte uns von Rottweil, meiner Heimatstadt, quer durch die Schweiz nach Italien an den Comer See. Dort blieben wir eine Nacht und fuhren am nächsten Tag weiter über Mailand, Monaco und Nizza nach Cannes.
Auf dem Festivalgelände angekommen, stellten wir fest, das unser Wagen zwischen all den anderen Limousinen, die nur die Promis kutschierten, dadurch auffiel, dass er nicht schwarz war. Dennoch bekamen wir „freundlicherweise“ einen Parkausweis und konnten umsonst parken, was sonst nicht mal dem Personal vergönnt war.
Das Palais des Festival ist das Hauptgebäude, dort befindet sich auch der rote Teppich, über den die Reichen und Schönen spazieren. Das gesamte Festival Areal ist riesig und wurde eigens für die Filmfestspiele gebaut. Im Inneren befinden sich diverse Kinosäle, darunter - direkt neben dem Presse Saal - der Lúmiere Saal, in dem abends nach dem roten Teppich die nominierten Filme laufen. Neben Cast und Crew der jeweiligen Filme tummelten sich unter den 2300 Gästen auch viele Produzenten, Studiobosse und andere Vertreter der Filmindustrie.
Die Short Film Corner befindet sich im Untergeschoss. Dort laufen Kurzfilme aus aller Welt, welche nach einer kurzen Anmeldung auf Laptops angeschaut werden können. Es wimmelt überall von Filminteressierten und jungen Kreativen, die sich austauschen wollen und versuchen ihre Filme an den Mann zu bringen. Auf der Rückseite des Gebäudes ist der Marché du Film auf dem aus aller Herren Länder Studios Filme kaufen und verkaufen. Alles hängt voll mit Plakaten von anstehenden Produktionen, fertigen Filmen, die einen Verleiher suchen oder Ideen, die finanziert werden wollen. Wenn also Sylvester Stallone noch mal dementiert, dass er nie wieder Rambo spielen werde, dann zeigen wir ihm mal das riesige Teaser Plakat von Rambo 5 mit ihm oben drauf, welcher für 2011 ganz fett von Millenium Films angekündigt wird!
Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich der Yachthafen, und da gab es alles, von der Playboy Yacht mit ausgestopftem Löwen, bis hin zur Monsteryacht mit Garage, Mini Boot in der Seite und Hubschrauber auf dem Oberdeck! Unfassbar!
In den 5 Tagen, die wir da waren, haben wir längst nicht alles gesehen, dafür ist das ganze zu Groß! Hinter dem Marché du Film befinden sich noch knapp 200 Pavillons, die jeweils von einem Land „besetzt“ sind. Dort erfährt man viel über Drehgenehmigungen, Filmförderungen, Location Scouting und kann sich mit Vertretern der Filmindustrie austauschen und sich z.B. über Drehbestimmungen in den einzelnen Ländern informieren. Wir haben so viele Filme und Kurzfilme gesehen (unter anderem den neuen Takeshi Kitano „Outrage“, oder „Lemmy“, eine sehr interessante und witzige Doku über den Sänger von Motörhead), Stars (Naomi Watts, Doug Liman, Elizabeth Banks, Billy Zane, Johnny Depp) und haben tonnenweise Lesestoff eingepackt.
Wir übernachteten die ganze Woche in Nizza in einem Hostel. Am letzten Abend allerdings hatten wir das Glück, für sehr wenig Geld in einem netten Hotel nur 300 m vom Palais des Festival entfernt unterzukommen. Wir waren auf eine Strandparty an einem Privatstrand eingeladen, doch leider ging die Party nur bis 2 Uhr und die Straßen von Cannes wechselten vom Glamour zum Ghetto. Prostituierte und Dealer tummelten sich in den Gassen, und hier und da fielen auch ein paar eindeutige Schimpfwörter.
Im Hotel angekommen, ließen wir die vergangene Woche noch einmal Revue passieren und fielen erschöpft (und verschwitzt ) ins Bett.
Am nächsten Mittag traten wir die Heimreise an. Da wir Zeit hatten fuhren wir an der Küste entlang, über die Dächer von Nizza und weiter auf den Landstraßen bis Mailand. Ab da ging es wieder auf die Autobahn, durch die Schweiz, vorbei am Bodensee bis nach Rottweil, und am nächsten Morgen zurück nach Dortmund.
Selbst jetzt, zwei Wochen nach dem Festival, fallen mir immer wieder kleine Details ein, an die ich bisher gar nicht dachte!
Cannes war eine wundervolle Erfahrung, voller unvergesslicher Eindrücke und wird sich für unsere berufliche Zukunft als wahre Goldgrube erweisen!
Hunderttausendfach Danke an Christopher und Carsten für diese Möglichkeit, und an das ganze Team für einen wunderbaren Dreh, Silke, Markus und Charles und ganz besonders der WAM, die durch ihre Emailflut die Kontakte hergestellt und dieses Projekt so mit möglich gemacht hat! (Sebastian Stumpe)




